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Abbruch nach Ausschreitungen
Das Kreispokal-Achtelfinalspiel des Fußballkreises Oder-Neiße zwischen dem FC Groß Muckrow (Kreisliga) und dem MSV Eintracht Frankfurt (Landesklasse Ost) musste am Sonnabend beim Stand von 1:3 in der 50. Minute abgebrochen werden. Fans aus der Oderstadt hatten Randale angezettelt.
Bereits eine Stunde vor Spielbeginn reisten in einem Bus stark alkoholisierte Fans der Frankfurter Gästemannschaft an und ließen die Groß Muckrower nichts Gutes ahnen. Extrem laute Böllerschläge erschütterten das Dorf, schon bevor ein Spieler den Platzbetrat. Um 14 Uhr erfolgte der Anpfiff. Die Frankfurter gingen in der zweiten Minute nach einem Eckball in Führung. Davon ließen sich die ersatzgeschwächten FC-Spieler nicht beeindrucken und hatten eine gute Chance durch Manuel Götze (8.). Vor dem 0:2 (20.) hatte Schiedsrichter Steffen Groll (Pinnow) das Spiel schon zweimal unterbrochen. Frankfurter Fans zündeten Rauchbomben und attackierten einen Schiedsrichterassistenten mit Getränke-Bechern. Auch begaben sich die Frankfurter immer wieder auf die Muckrower Fanseite, um dort die Zuschauer anzupöbeln. Aufforderungen der Ordner, dieses zu unterlassen, ignorierten sie.
Nach 0:3 (28./Foulelfmeter) kam es zu einer erneuten Unterbrechung. Es wurden am Spielfeldrand und zwischen den parkenden Autos Knallkörper gezündet. Auf Anweisung des Schiedsrichters alarmierten die Groß Muckrower Verantwortlichen in der Halbzeitpause die Polizei. „Der Schiedsrichter fühlte sich bedroht und hatte Angst um die Linienrichter sowie um die friedlichen Zuschauer, die von den gewaltbereiten Frankfurtern immer wieder provoziert wurden“, sagte der Groß Muckrower Vereinspräsident Erhard Dreßler. Weiterhin wies der Schiedsrichter beide Teams darauf hin, das Spiel abzubrechen, sobald noch eine Nebelkerze oder ein Böller gezündet würden.
Nach dem Anschlusstreffer der Gastgeber durch Michel Rühr kurz nach Wiederanpfiff wurden die Tumulte der Frankfurter größer. Ein Schiedsrichter-Assistent wurde durch einen Knallkörper getroffen und erlitt dabei nach Polizeiangaben ein Knalltrauma. Das Spiel wurde in der 50. Minute abgebrochen.
Nun drohten die Randale zu eskalieren. Auch die zwei anwesenden Streifenwagen schienen die Chaoten nicht abzuschrecken. Stattdessen turnten sie auf den Polizeiautos herum und urinierten gegen die Wagen. Die Polizei musste Verstärkung anfordern, um weitere Ausschreitungen zu verhindern. Während die Spieler beider Teams sofort nach Hause aufbrachen, was laut Polizei deeskalierend wirken sollte, und auch die friedlichen Muckrower Zuschauer gingen, mussten die größtenteils stark betrunkenen Frankfurter Fans in Groß Muckrow ausharren, bis sie um 18 Uhr von ihrem gecharterten Bus abgeholt wurden. Die Exekutive war zwischenzeitlich in der Überzahl und aufgrund dieser Präsenz gab es keine größeren Vorfälle mehr. Die Polizei begleitete den Frankfurter Fanbus mit in den Heimatort und nahm die Personalien der Unruhestifter auf.
Der Groß Muckrower Vereins-Chef Dreßler zeigte sich enttäuscht darüber, dass von den Frankfurter Verantwortlichen keine Entschuldigung kam. Vorwürfe, dass Muckrow zu wenig Ordnungskräfte gestellt hätte, wies er vehement zurück. „Fünf Mann sind in unserer Klasse genug Leute. Ich habe noch nie erlebt, dass sich Zuschauer so benommen haben“, sagte er. „Auch wenn wir zehn Ordner gewesen wären, hätte das kaum was geändert“, ist sich Maik Koschack, Leiter der Groß Muckrower Ordnungsgruppe sicher. „Man war von Anfang an darauf aus zu provozieren.“ Das bestätigte auch Christopher Franke, Kassenwart des Vereins und an diesem Tag ebenfalls Ordner. „Die ganze Sache sah wie geplant aus und die Frankfurter Fans wollten Ärger. Sie versuchten auch, die friedlichsten Zuschauer zu provozieren. So bekippten sie etwa eine junge Frau völlig grundlos mit Bier.“ Dass nichts weiter passiert sei, wäre auch auf das friedliche Verhalten der anwesenden Muckrower zurückzuführen.
Verabredet zum Ausflug hatten sich die Frankfurter Fans auf der Internetseite des MSV Eintracht. Dort kann man nachlesen, dass sie sich bereits um 10 Uhr getroffen hatten, um erst um 12 Uhr abzufahren. Diese lange Zeitspanne erklärt sicher auch den bereits deutlich wahrnehmbaren Alkoholpegel bei der Ankunft in Groß Muckrow am frühen Nachmittag.
„Ich gehe seit mehr als 30 Jahren zum Fußballplatz und habe noch nicht mal annähernd so etwas erlebt“, sagte Ordner Koschack. „Wenn der MSV weiß, dass er solche Fans hat, dann wäre es nur fair, wenn man die Gastgeber-Mannschaften darauf hinweist, was sie erwarten könnte.“ Solche Fans seien bestimmt nicht das erste Mal mitgefahren. Hätte man Muckrow vorgewarnt wäre dem kleinen Fußballverein vielleicht einiges erspart geblieben, wie etwa mehrere Sachschäden im Bereich der sanitären Anlagen.
Schiedsrichter Steffen Groll wollte sich zu den Vorgängen nicht weiter äußern. „Das ist ein schwebendes Verfahren. Ich habe dazu an den Staffelleiter für Pokalspiele, Jens Geiger, einen Bericht angefertigt. Jetzt muss das Sportgericht entscheiden.“
Heiner Krafzik, Manager beim MSV Eintracht, erklärte: „Wir werden schnellstmöglich im Vereinsvorstand die Vorkommnisse auswerten und darauf reagieren. Auf keinen Fall lassen wir so etwas durchgehen. Allerdings haben wir auf einige mitgereiste Frankfurter, die sich als Eintracht-Fans ausgaben, obwohl ich diese noch nie bei Spielen unserer Mannschaft gesehen habe, keinerlei Einfluss.“ Er habe es „nicht ganz so dramatisch gesehen, aber es gibt auch nichts zu beschönigen“.
>>>moz.de


