Archiv für die Kategorie „1.FC Nürnberg“
Stellungnahme von Heino Hassler, Fanprojekt Nürnberg, zum polizeilichen Einsatz nach dem Heimspiel gegen den HSV am 21.04.12
Leider gab es nach dem letzten Heimspiel vs. HSV Probleme am Stadionvorplatz der Nordkurve.
Ohne hier den laufenden Ermittlungen vorgreifen zu wollen, ist es für mich sehr fragwürdig, wieso von polizeilicher Seite immer wieder zum Pfeffersprayeinsatz gegriffen werden muss, selbst wenn – wie hier gegeben – die kritische Situation eigentlich bereinigt und die Fans bereits auf dem Weg zurück ins Stadion waren.
So etwas muss nicht sein! Viele Fans mussten sich anschließend in der Sanitätsstation das Pfefferspray aus den Augen waschen lassen.
Bei dieser Aktion wurde u.a. ein Mitarbeiter der Rot-Schwarzen Hilfe (RSH), welcher vor Ort deeskalierend eingreifen wollte, von einem Polizeibeamten mit dem Schlagstock in den Rücken geschlagen und mit Pfefferspray eingedeckt. Als er ca. 20 Minuten später aus der Sanitätsstation entlassen wurde und das Stadion verlassen wollte, wurde er von demselben Beamten, der ihn vorher geschlagen hatte, festgenommen, zur Personalienfeststellung auf die Stadionwache befördert und wegen Widerstand und Körperverletzung angezeigt. Der Betroffene beteuert, nichts derartiges gemacht zu haben.
Zwei Rechtsanwälte der Rot-Schwarzen Hilfe wollten ebenfalls deeskalierend eingreifen, was leider auch von polizeilichen Einsatzkräften verhindert wurde: Dem einem wurde ein Platzverweis erteilt, der andere mit Pfefferspray besprüht.
Ich wünsche mir, dass die umfangreichen Videos, die von polizeilicher Seite gemacht wurden, die Geschehnisse wahrheitsgetreu aufklären werden und zukünftig von diesen unsinnigen Pfeffersprayeinsätzen abgesehen wird.
Nebenbei sei noch erwähnt, dass ein Rechtsanwalt der Rot-Schwarzen Hilfe vom polizeilichen Gruppenleiter äußerst barsch abgewiesen wurde, als er sich nach dem Namen des Beamten erkundigte, der Strafanzeige gegen den zuvor erwähnten RSH-Mitarbeiter gestellt hat.
Quelle:fanprojekt-nuernberg.de
Bengalfeuer angezündet – Festnahme
Im Nachgang der Bundesligabegegnung 1. FC Nürnberg gegen den Hamburger SV am 21.04.2012 konnten die Einsatzkräfte der Polizei zwei Gästefans festnehmen, die im Gästeblock Bengalfackeln gezündet hatten. Dabei kam es zu Widerstandshandlungen.
Während der Bundesligabegegnung hatte die Einsatzleitung der Polizei beobachtet, wie im Fanblock mehrere Personen Bengalfeuer abbrannten. Mit Hilfe der Videoüberwachung gelang es zwei dieser Zündler noch während des Spiels zu identifizieren. Bei dem Versuch diese unmittelbar nach Beendigung der Fußballbegegnung (ca. 17:15 Uhr) festzunehmen, solidarisierten sich mehrere Gästefans mit den beiden Tatverdächtigen an der Rückseite des Fanblocks und griffen die Einsatzkräfte an. Dabei wurde ein Einsatzfahrzeug mit Fußtritten beschädigt. Außerdem sprühten die Gästefans mehrfach mit Pfefferspray gegen die Einsatzkräfte. Ein Beamter erlitt durch eine Plastikstange eine mehrere Zentimeter lange Platzwunde an der Wange und musste ambulant behandelt werden. Weitere acht Einsatzkräfte erlitten durch den Pfeffersprayangriff ebenfalls Verletzungen.
Nach Anwendung unmittelbaren Zwangs gelang es schließlich die Zündler sowie den Sachbeschädiger (zwei Männer, 23 und 32 Jahre, sowie eine 19-jährige Frau) vorläufig festzunehmen. Gegen das Trio, sowie gegen weitere, namentlich noch nicht bekannte, Personen wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Nahezu zeitgleich bahnte sich im Bereich des Max-Morlock-Platzes eine Auseinandersetzung zwischen mehreren Angehörigen beider Fanlager an. Polizeikräfte trennten die beiden Gruppen und drängten sie ab. Dabei wurde ein Beamter durch einen Schlag ins Gesicht leicht verletzt. Gegen den Angreifer wird ebenfalls ermittelt.
Quelle:polizei.bayern.de
Club: Festnahmen und Prügeleien am Gästeblock
Verletzte Polizisten nach dem Bundesligaspiel gegen den Hamburger SV – Das 1:1 des 1. FC Nürnbergs gegen den Hamburger SV bot wenig Aufreger, dafür krachte es nach dem Abpfiff umso mehr: Erst prügelten sich Gästeanhänger mit der Polizei, anschließend standen sich am Max-Morlock-Platz plötzlich Club- und HSV-Fans gegenüber.
Während der Partie des 1. FC Nürnberg gegen den Hamburger SV hatte die Einsatzleitung der Polizei beobachtet, wie im Fanblock der Gäste mehrere Personen Bengalos abbrannten. Mit Hilfe der Videoüberwachung gelang es zwei dieser Zündler noch während des Spiels zu identifizieren.
Bei dem Versuch diese unmittelbar nach dem Abpfiff festzunehmen, solidarisierten sich jedoch mehrere Gästefans mit den beiden Tatverdächtigen an der Rückseite des Fanblocks und griffen die Einsatzkräfte an. Dabei wurde ein Einsatzfahrzeug mit Fußtritten beschädigt. Außerdem sprühten die Gästefans mehrfach mit Pfefferspray gegen die Einsatzkräfte. Ein Beamter erlitt durch eine Plastikstange eine mehrere Zentimeter lange Platzwunde an der Wange und musste ambulant behandelt werden. Weitere acht Einsatzkräfte erlitten durch den Pfeffersprayangriff ebenfalls Verletzungen.
Schließlich gelang es, die Zündler sowie den Sachbeschädiger (zwei Männer, 23 und 32 Jahre, sowie eine 19-jährige Frau) vorläufig festzunehmen. Gegen das Trio, sowie gegen weitere, namentlich noch nicht bekannte, Personen wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Nahezu zeitgleich bahnte sich im Bereich des Max-Morlock-Platzes eine Auseinandersetzung zwischen mehreren Angehörigen beider Fanlager an. Polizeikräfte trennten die beiden Gruppen und drängten sie ab. Dabei wurde ein Beamter durch einen Schlag ins Gesicht leicht verletzt. Gegen den Angreifer wird ebenfalls ermittelt.
Quelle:nordbayern.de
Am Samstagabend (31.03.2012) kam es wenige Stunden nach Beendigung des Bundesliga-Fußballspiels zwischen dem 1. FC Nürnberg und Bayern München auf einem Rastplatz der BAB 3 zu einer Auseinandersetzung zwischen Fans beider Vereine. Dabei wurde ein Mobiltelefon geraubt.
Gegen 19:00 Uhr hielt sich eine Gruppe oberfränkischer Fans des FC Bayern München auf dem Parkplatz “Weißer Graben” der BAB 3 in Fahrtrichtung Würzburg auf. Als kurz darauf ein mit Fans des 1. FC Nürnberg voll besetzter Omnibus auf den Parkplatz einfuhr, kam es zunächst zu verbalen Provokationen. Im weiteren Verlauf jedoch entwickelte sich eine Schlägerei zwischen Teilen der “Bayern- und Clubfans”.
Ein 22-Jähriger aus der Gruppe der Bayernanhänger nahm die Situation auf seinem Mobiltelefon (iPhone) auf, wurde dabei aber von den Angreifern bemerkt und massiv bedrängt. Dabei raubte ihm ein Unbekannter aus der aus mehreren Personen bestehenden Gruppe das Telefon. Danach stiegen die Angreifer in den Bus ein. Unmittelbar danach fuhr der Bus weiter.
Verständigten Einheiten der Polizei gelang es, den “Fanbus” bei Hemhofen anzuhalten. Von den noch anwesenden Fahrgästen wurden die Personalien festgestellt. Die Suche nach dem geraubten Mobiltelefon verlief jedoch negativ.
Wie sich im Zuge der Ermittlungen herausstellte, hatten rund 15 Personen bei Adelsdorf (Lkrs. Erlangen/Höchstadt) den Bus verlassen. Diesbezüglich dauern die Ermittlungen zur Feststellung der Personalien noch an.
Der angegriffene 22-Jährige wurde bei der Attacke leicht verletzt und gibt sich in ärztliche Behandlung.
Der unbekannte Räuber wird wie nachfolgend beschrieben:Ca. 25 – 28 Jahre alt, ca. 190 cm groß, schwarze, nach oben gegelte Haare; bekleidet mit dunklem Kapuzenpullover.
Die Kriminalpolizei Erlangen führt die Ermittlungen zurzeit noch gegen unbekannt wegen des Verdachts des Raubes.
Quelle:presseportal.de
Am Freitagabend war in der Zeit von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr eine Versammlung zum Thema “Freiheit für Ultras” der Gruppierung „Banda di Amici“ angemeldet. Daran nahmen rund 400 Personen teil. Der Aufzug setzte sich gegen 19:45 Uhr ausgehend vom Aufseßplatz in Richtung Jakobsplatz in Bewegung. Neben teilweise lautstarken Beleidigungen gegenüber der Polizei wurden aus der Kundgebung heraus auch mehrfach Feuerwerkskörper und Nebelkerzen gezündet. Eine Person warf einen Böller vor die Füße der Einsatzkräfte. Verletzt wurde hierbei niemand. Der Tatverdächtige konnte nach Beendigung der Kundgebung festgenommen werden, und es erfolgte Strafanzeige.
Auch führten die Versammlungsteilnehmer entgegen des Auflagenbescheides Glasflaschen mit und zerbrachen diese teilweise auf der Fahrbahn.
Trotz ständiger Provokationen gegenüber den eingesetzten Polizeikräften wirkte die Polizeieinsatzleitung ständig deeskalierend auf die Menge ein. Der Aufzug wurde vom Versammlungsleiter gegen 22:30 Uhr für beendet erklärt. Gegen die beiden Versammlungsleiter wird ermittelt, weil sie mehrere Auflagen nicht eingehalten hatten.
Ein weiterer Einsatzschwerpunkt war die Bundesligabegegnung 1. FC Nürnberg und Bayern München. Bereits vor dem Spiel, gegen 15:00 Uhr, mussten in der Nürnberger Innenstadt 26 Personen, die heimischen Fangruppen zuzuordnen sind, in polizeilichen Gewahrsam genommen werden. Es bestand der begründete Verdacht einer bevorstehenden Schlägerei mit Gästefans. Weitere kleinere Auseinandersetzungen verbaler und körperlicher Art bekam die Polizei schnell in den Griff und unterband sie bereits im Vorfeld. Im Gästeblock kam es während des Spiels immer wieder zu Rauchentwicklungen. Hierzu werden die im Stadion gefertigten Videoaufnahmen ausgewertet. Die Einsatzkräfte vor Ort achteten zudem auf eine strikte Fantrennung.
Quelle:polizei.bayern.de
Gerhard Amschler will in einem Berliner Biergarten seine Fanklub-Fahne aufhängen, die Polizei hat etwas dagegen. Ein Beispiel dafür, wie Stadionverbote den Falschen treffen können.
Der 6. August 2011 ist ein schöner Tag für Gerhard Amschler. Bis zum Verlassen des Olympiastadions. Der Nürnberger Fan, 52 Jahre alt, Taxiunternehmer, hat eine Wochenend-Busreise für seinen Fanklub nach Berlin organisiert. Einen Familienausflug, mit Frauen und Kindern. Nach dem 1:0-Sieg ihres 1. FC Nürnberg bei Hertha BSC wollen sie im Biergarten des Lokals neben der Arena feiern. Die Fanklub-Fahne baumelt über der Brüstung, laut Amschler mit Genehmigung des Wirtes. Und gerade wollen sich alle davor postieren, um ein Erinnerungsfoto zu schießen – da passiert, was Amschler noch immer um Fassung ringen lässt: „Das hat mich völlig überrollt.
Ich hätte nie geglaubt, dass ich nach vierzig Jahren Auswärtsfahrten so etwas erleben muss.“ Heino Hassler, der Fanbeauftragte des 1. FC Nürnberg, ist zufällig Augenzeuge und spricht heute von „einem klassischen Beispiel dafür, wie eine Aktion nicht laufen sollte. Und die darin gipfelt, dass das Opfer noch Stadionverbot bekommt.“ Stadionverbot für das Aufhängen einer Fahne? Es klingt absurd. Zumindest aber wirft der Fall ein seltsames Licht auf die Stadionverbotsrichtlinien des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).
Die Polizei, so viel ist klar, muss die große rot-schwarze Flagge für eine Provokation der Berliner Fans halten. Beamte stürmen in den Biergarten und fordern Amschler auf, den Stoff zu entfernen. Das, so schildern er und zahlreiche Zeugen, wollte er auch tun – aber die Knoten sind so fest, dass es den Polizisten offenbar zu lange dauert. Ein Beamter zückt ein Messer, Amschler will das Zerschneiden seiner Fahne verhindern. „Bitte nicht, Sie dürfen mein Eigentum nicht zerstören“, will er gesagt haben. Die Beamten reagieren nicht. „Ich hatte keine Chance mehr. Die hatten ihren Einsatzbefehl und sind brutal auf mich losgegangen. Dann wurde ich vor den Augen meines Sohnes und meiner Frau gefesselt abgeführt.“
“Dieser Fall ist die Spitze des Eisberges”
In den Berichten der Polizisten ist von Gegenwehr die Rede, davon, wie rabiat sie („Ich fixierte seinen Kopf mit meinem Knie“) vorgehen mussten, um den angeblich Widerspenstigen zu überwältigen. Aussage gegen Aussage. Zeugen und Handyfotos eines Fans stützen eher die Version von Amschler: dass er wirklich die Fahne abnehmen wollte und dann bald wehrlos auf dem Boden lag – überwältigt von jenen, denen er nun vorwirft, ihn misshandelt zu haben. Amschler hat beim Arzt die schweren Prellungen dokumentieren lassen und Anzeige erstattet: Körperverletzung im Amt. Ein Polizist habe sogar gedroht, ihm das Nasenbein zu brechen. Aber die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eingestellt, denn der Fan hat keine Beweise für seine schweren Vorwürfe. Sein Anwalt hat Beschwerde gegen die Einstellung erhoben. Ralf Peisl, Mitglied der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Fananwälte, ist keiner, der schnell aufgibt. „Manches ist schwer nachzuweisen, wenn Polizisten füreinander aussagen“, sagt Peisl. „Aber dieser Fall ist die Spitze des Eisberges. Da wird ein Fan traktiert, geschlagen, wofür wir 15 Zeugen haben – und trotzdem als kriminell abgestempelt.“
Denn Amschler, bisher mit polizeilichem Führungszeugnis ohne Makel, trifft auch danach die volle Härte des Gesetzes: ein Strafbefehl über 1200 Euro wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Obendrein kommt Post von Hertha: ein bundesweites Stadionverbot, bis Ende 2012. „Das ist ein weiteres Beispiel dafür, wie viele Stadionverbote völlig absurd sind“, sagt Rechtsanwalt Peisl. Wilko Zicht vom Bündnis Aktive Fußball-Fans (Baff) spricht davon, ein Drittel der derzeit knapp 3000 Stadionverbote sei „zu Unrecht erteilt, ein weiteres Drittel ist fragwürdig“. Also nur ein Drittel berechtigt? Ingo Rautenberg, Leiter der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze, bestreitet solche Zahlen. Er räumt lediglich ein, man könne „nie ausschließen, dass in Einzelfällen auch Stadionverbote als überzogen gekennzeichnet werden“. Er hält das Instrumentarium grundsätzlich aber für gut. Rautenberg verweist auf die Einzelfallprüfung, die in vielen Vereinen, längst nicht in allen, über Stadionverbotsgremien läuft. Dort dürfen sich die Betroffenen äußern.
Hertha hat Amschlers Stellungnahme nicht umstimmen können. Der Klub will sich zum Fall nicht äußern, nur so viel: Man habe nur die Stadionverbotsrichtlinien umgesetzt. Die jedoch halten viele Rechtsexperten für mehr als fragwürdig. Vor dem Bundesverfassungsgericht läuft eine Beschwerde gegen Stadionverbote auf Verdacht, die der Bundesgerichtshof 2009 für rechtmäßig erklärte. So reicht, wie bei Amschler, die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens, um Fans bis zu drei Jahre auszusperren. „Da gilt nicht der strafrechtliche Begriff in dubio pro reo“, betont Hendrik Große Lefert, der Sicherheitsbeauftragte des DFB, „sondern im Gegenteil: Es geht um die Pflicht des Veranstalters, die Spiele zu schützen. Dafür müssen Leute ausgeschlossen werden, die Ärger machen.“
Die meisten Fans mit Stadionverbot schweigen
Aus Sicht der Fans spielen sich mit der angeblichen Präventivmaßnahme die Klubs zu Richtern auf, per Ersatzstrafrecht. Oder zu Handlangern der Polizei. Peisl, auch Mitglied des Aufsichtsrates beim 1. FC Nürnberg, behauptet, es gebe häufiger Druck auf die Vereine. Ganz nach dem Motto: Wenn ihr die Stadionverbote nicht verteilt, wie wir von der Polizei es wollen, dann ziehen wir Einsatzkräfte ab. Dann braucht ihr mehr Ordnungsdienste – und es wird teurer für euch.
Die meisten Fans mit Stadionverbot schweigen. Aus Furcht vor beruflichen oder privaten Nachteilen. Auch der lange Rechtsweg erschreckt viele; und so brummen sie leise ihre Strafe ab. Gerhard Amschler hat sich anders verhalten. Die Monate, in denen er die Club-Heimspiele in einer Kneipe in Stadionnähe verfolgt hat, waren hart. „Fußball, allein vor dem Fernseher, ist eine Qual“, sagt er. Selbst auswärts ist er mitgefahren, obwohl er draußen bleiben musste, „man will die sozialen Kontakte erhalten“.
Kürzlich war er mit seiner Geschichte im Fernsehen. Mit einer Botschaft: „Das kann jedem friedlichen Fan passieren.“ Er hält es nicht für Zufall, dass prompt ein Schreiben von Hertha BSC kam, „wie aus dem Nichts“, wie er sagt. Das bundesweite Stadionverbot mit der Nummer BHV 28/11/12 sei nun aufgehoben, teilte Hertha mit. Nur das Olympiastadion in Berlin darf er auch weiterhin nicht betreten. Seltsam, findet er: „Da wollte wohl jemand nicht komplett eingestehen, einen Fehler gemacht zu haben.“ Im Mai wird sein Fall vor dem Amtsgericht Tiergarten verhandelt. Es klingt wie einer dieser Sprechchöre in deutschen Stadien, wenn Amschler sagt, er wolle auch den Richter überzeugen, „dass Fußballfans keine Verbrecher sind“.
Quelle Teil 1:tagesspiegel.de
Quelle Teil 2:tagesspiegel.de
Quelle Teil 3:tagesspiegel.de
Rastanlage Spessart: Club-Fans sorgen für Randale
Auf der Rückreise vom Bundesliga-Spiel des 1. FC Nürnberg in Mainz fuhren am Samstagabend mehrere Fan-Busse zur Rastanlage Spessart-Süd. Dort kam es unter den Club-Fans zu Tumulten.
Nachdem die meisten Fans laut Polizeiangaben mehr oder weniger unter Alkoholeinfluss standen, kam es auch untereinander zu Rangeleien. In deren Verlauf wurde eine Servicekraft der Raststätte, vermutlich unbeabsichtigt, mit dem Ellenbogen im Gesicht getroffen. Weiterhin bezahlte ein Shop-Besucher seine zwei Dosen Bier erst nach mehrfacher Aufforderung.
Im Anschluss daran wurden noch einige Halsketten und Kopfkissen auf den Boden geworfen. Bis zum Eintreffen der Polizei waren die zwei etwa 25- bis 30-jährigen Haupttäter bereits mit einem der Busse weitergefahren. Die Ermittlungen dauern an.
Quelle:mainpost.de
Der 1. FC Nürnberg muss Sicherheitskonzeption anpassen. Zaunanlage in der Nordkurve wird aus Sicherheitsgründen vorläufig und teilweise zurückgebaut.
Aufgrund der Ereignisse nach Spielende beim DFB-Pokal-Achtelfinale gegen die SpVgg Greuther Fürth am Dienstag, 20.12.11, ist der 1. FC Nürnberg als Veranstalter der Club-Heimspiele gefordert, die Sicherheitskonzeption für Club-Heimspiele im easyCredit-Stadion zu überdenken. Seitens der Behörden der Stadt Nürnberg wurde dem Verein mitgeteilt, dass diese Anpassung der Sicherheitskonzeption als sofort umzusetzende Maßnahme einen vorläufigen und teilweisen Rückbau der Zaunanlage in der Nordkurve des easyCredit-Stadions beinhaltet.
Darüber hinaus erreichten den 1. FC Nürnberg in den vergangenen Wochen unzählige Schreiben von Fans, seinen Mitgliedern, Dauerkartenbesitzern und Mitgliedern von 1. FCN-Fan-Clubs, die ihr deutliches Unverständnis über die Vorkommnisse äußerten und ein gemeinsames Handeln der Verantwortlichen forderten, um künftig Ereignisse dieser Art auszuschließen. Es bestand breiter Konsens zwischen dem 1. FC Nürnberg, den Behörden der Stadt Nürnberg, der Betreibergesellschaft des easyCredit-Stadions und Polizei, alle Vorkehrungen zu treffen, um Ereignissen dieser Art entgegen zu wirken und dem Ansehen des Vereins keinen weiteren Schaden zuzufügen. Gleichzeitig steht der 1. FC Nürnberg weiterhin im Dialog mit dem DFB, um das Strafmaß für die Vorkommnisse in Grenzen zu halten.
Abbau in den Blöcken 7, 9 und 11
Der 1. FC Nürnberg hatte im Januar 2009 mit einem Ausnahmeantrag die Zaunanlage im easyCredit-Stadion vor dem Stehplatzbereich in der Nordkurve abgebaut. Die Rückbau-Maßnahme führte zu einer Optimierung der Sicht für alle Fans im Stehplatzbereich. Klare Vorgabe der Bauordnungsbehörde war es damals, dass seitens der Club-Fans ein vernünftiger Umgang mit dem Zugeständnis gewährleistet wird. Der mit dem Rückbau verbundene Vertrauensvorschuss sollte durch ein angemessenes Verhalten, der einen Zutritt zum Innenraum unbedingt ausschließt, seitens der Fans gerechtfertigt werden.
Mit den Vorkommnissen nach dem DFB-Pokal-Achtelfinale sehen alle Beteiligten die damals vereinbarten Auflagen von Teilen der Fanszene als nicht erfüllt an. Dies führte nun dazu, die damals getroffene Absprache des Rückbaus der Zaunanlage zu widerrufen. Diese Maßnahme greift, bis eine nachhaltige Anpassung der Sicherheitskonzeption durch die Entscheidungsträger, zu denen neben dem 1. FC Nürnberg, den Sicherheitsbehörden der Stadt Nürnberg und der Polizei auch der örtliche Ausschuss Sport & Sicherheit gehört, erfolgt ist. Robert Pollack, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Nürnberg erläutert: „Es ist ein Grundverständnis unter allen Beteiligten, dass alle Zuschauer, Gäste und Clubfans, die Gewissheit haben müssen, ein Clubspiel ohne Befürchtungen um Ausschreitungen und ihre Sicherheit besuchen zu können. Der 1. FCN hat deshalb immer nach sicherheitsrelevanten Vorkommnissen die Abstimmung mit Polizei und Stadt gesucht, um auf solche Vorkommnisse mit den erforderlichen Maßnahmen zu reagieren.“
Umsetzung zum Rückrunden-Auftakt
Der Rückbau der Zaunanlage kommt erstmalig wieder am Samstag, 21.01.12, zum Heimspiel gegen Hertha BSC zum Tragen. In gemeinsamen Gesprächen zwischen 1. FC Nürnberg, Polizei und Sicherheitsbehörden der Stadt Nürnberg wurde festgelegt, dass nicht die komplette Nordkurve von der Wiedererrichtung der Zäune betroffen ist, sondern lediglich die Blöcke 7, 9 und 11. Das easyCredit-Stadion wird damit in Teilen der Nordkurve in den ursprünglich baurechtlich genehmigten Zustand, der bis zum Jahre 2009 Gültigkeit besaß, zurück versetzt. Die Zaunanlage vor Stehplatzblöcken stellt eine normale Sicherheitsvorkehrung für Veranstaltungen im Rahmen der Versammlungsstättenverordnung dar.
Quelle:fcn.de
Schande
Ya Basta!
In den Tagen nach dem Derby beschäftigte sich natürlich auch die Ya Basta!-Redaktion mit den Ereignissen, die aus unserer Sicht wie folgt zusammengefasst werden können:
Schande
Das Derby ist verloren. In der Öffentlichkeit kursieren Wörter wie Schande, Imageschaden oder Idioten. Doch nicht das Spiel bzw. die Spieler sind gemeint, sondern Teile der Fans. Von der Niederlage und einer desolaten Hinrunde, die zum Handeln zwingt, redet kaum einer. Der Platzsturm bestimmt die Gesprächsthemen. Man könnte fast meinen, er ist den Verantwortlichen beim FCN gerade recht gekommen, lenkt er doch von den wirklichen Problemen ab.
Nein, gewollt hat dieses Szenario keiner, gekommen ist es aber trotzdem. Und das hat seine Gründe, die nicht einfach nur in einer Niederlage oder der immer wieder zitierten „zunehmenden Gewalt“ zu finden ist. Das ist oberflächlich. Die Ursachen sind komplex. Wer macht sich da schon die Mühe genauer hinzuschauen. Schauen wir genauer hin!
Nach dem Schlusspfiff bleibt es zunächst ruhig. Leere, Fassungslosigkeit und Ungläubigkeit prägen die Szenerie. Aus den letzten 12 Spielen gab es lediglich zwei Siege. Das Pokalderby vor heimischem Publikum wurde nach einer katastrophalen ersten Halbzeit und trotz numerischer Überlegenheit in der zweiten Hälfte verloren. Obendrauf wird ein reguläres Tor kurz vor Abpfiff nicht gegeben, welches den Ausgleich bedeutet hätte.
Große Worte seitens des 1.FC Nürnbergs vor dem Spiel „Die Mannschaft wisse, um was es gehe“ oder „Wir wollen zeigen, dass wir die Nummer eins in Franken sind“ werden kurz nach Ende des Spiels endgültig zu leeren Phrasen. Sie sind geradezu ein Hohn, betrachtet man die Einstellung der Spieler, und denkt man zurück, so dürfte es keine größere Schmach in den letzten Jahren oder sogar Jahrzehnten gegeben haben. Natürlich darf man auch Derbies verlieren, was ja auch in peinlicher Regelmäßigkeit in den Spielen gegen die Bayern getan wird, aber nicht so. Diese Niederlage ist und bleibt unverzeihlich!
Die Stimmung kippt endgültig, als Teile der Mannschaft in die Kurve kommen. Man mag es ihnen auf der einen Seite vielleicht sogar hoch anrechnen, auch nach diesem Spiel ihren Mann zu stehen, doch es war in diesem Moment einfach falsch. Nun kochen die Emotionen hoch! Zeitgleich zerrt ein Ordner an einer Schwenkfahne, zieht sie von der Teleskopstange: Es folgt eine unvermeidliche Eigendynamik. Einige wollen die Fahne verständlicherweise zurückholen, es gibt ein Gerangel mit den Ordnern und immer mehr aufgebrachte Fans gelangen durch das Fluchttor in den Innenraum.
Der Tropfen, der letztendlich das Fass zum Überlaufen gebracht hat, wurde dagegen schon einige Tage vor der Partie eingeschenkt. Herr Woy (Vorstand des 1.FC Nürnberg) sprach nach dem Derby in einem Radiointerview davon, dass der Sicherheitsbeauftragte im Vorfeld mäßigend auf die Fans eingewirkt hätte. Vielleicht hätte er sich aber mal mit ihm vor diesem Interview unterhalten und nachfragen sollen, was in den Tagen vor dem Spiel wirklich vorgefallen war. Das Gegenteil war der Fall! Die Stimmung war vergiftet und es ist alleine den Fans zu verdanken, dass dieses Pulverfass nicht schon vor dem Derby explodiert ist. Man wollte das Derby nicht schon vor der ersten Minute aus der Hand geben. So musste man sich noch einmal 90 Minuten herumquälen und all das, was sich an Frust hier angestaut hatte, entlud sich aufgrund der oben genannten, vielschichtigen Faktoren nach Spielschluss. Eine spontane Reaktion, weil man diesen Verein LIEBT, LEBT und mit ihm LEIDET!
Der Verein möchte Fans, die sich mit ihrem Verein identifizieren, Stimmung machen, Choreographien basteln und die Seele des Clubs weitergeben, leidenschaftlich und hingebungsvoll sind! Dann dürfen die Verantwortlichen aber nicht erwarten, dass sich diese Fans nach der größten Schande seit vielen Jahren kühl und nüchtern aus dem Stadion schleichen! Oder welche Konsequenzen zieht der Verein aus dieser Schmach? Welche Konsequenzen werden daraus gezogen, dass wir Fans auf ewig mit dieser Niederlage konfrontiert werden? Dass sie in die Geschichtsbücher wie in Zement gemeißelt ist und uns jedes Mal das Herz zerreißt, wenn wir uns an diesen Abend zurück erinnern. Ein Abend, an dem wir alles gegeben und nichts zurück bekommen haben. Nichts. Nicht einmal Kampf und Wille. Wer ist hier eine Schande und wer sollte Konsequenzen ziehen? An diesem Abend habt ihr dem Image des 1. FC Nürnbergs geschadet! Ihr solltet euch schämen, in den nächsten Wochen durch die Straßen Nürnbergs zu laufen!
Sicherlich muss man diese Reaktion, also den Platzsturm, auch nicht gutheißen, aber man muss sie verstehen bzw. sich um ein Verstehen bemühen. Wer nur ein klein wenig die Zusammenhänge, die Personen und Gruppen kennt, der weiß genau, dass die Vorfälle nach dem Spiel nichts mit einer Lust auf Randale oder dergleichen zu tun hatten! Die Historie dieser Begegnung, die richtigerweise auch gerne vom Verein betont wird, ist geprägt durch verschiedene Vorkommnisse – u.a. der Spielabbruch 1973. In den Chroniken wird die Besonderheit dieser Rivalität in ganz Deutschland deutlich hervorgehoben. Von „kriegsähnlichen“ Zuständen (so kommentierte Herr Woy die Vorkommnisse) war das Derby allerdings zu jeder Zeit ganz weit weg – und das gilt auch voll und ganz für den 20.12.2011. Bei aller Empörung – was ist denn letztendlich passiert? Im Spielertunnel ging es nach der Partie zwischen einigen Spielern wohl mehr zur Sache, als vor den Kurven. Diesen Satz bitte nicht falsch verstehen. Es sind genau diese Spieler, die eine Identifikation mit der Mannschaft über die sportliche Qualität hinaus überhaupt noch möglich machen. Nach dem mehr als zweifelhaften Verkauf von Wolf und Mintal muss man doch schon froh sein, dass noch ein paar Männer in der aktuellen Mannschaft sind, denen das Logo des 1.FC Nürnberg mehr bedeutet als einen monatlichen Gehaltscheck.
Sicherlich mag der Platzsturm auch Folgen haben. Für den 1.FC Nürnberg, der sich vor einem „strafwütigen“ DFB rechtfertigen muss. Der Verein muss sich aber auch deshalb rechtfertigen, weil er es selbst verbockt hat! Auch für die Fans, die jetzt wieder in den Fokus irgendwelcher, aktionistischer Maßnahmen geraten, werden Konsequenzen unumgänglich sein: Zäune hoch, Materialverbote, Stadionverbote etc. – wir kennen das ja schon, weil wir seit Jahren damit leben und um jeden Millimeter Freiheit kämpfen müssen. Selbst schuld, wenn uns nun auch der Rest genommen wird? Nein, selbst schuld, wenn man sich an diese Leine legen lässt!
In den wenigen Tagen nach dem Spiel und den ersten Gesprächen verschiedener Fans ist eines schon jetzt klar geworden: Wir Fans werden ganz sicher nicht als Sündenbock für diese Vorkommnisse herhalten!
Herr Woy, Sie wollen sich nicht mehr verarschen lassen? Wir auch nicht. Wir auch nicht!
Solidarität mit allen Verfolgten, Verbannten und Unbeugsamen! Keinen Schritt zurück!
Quelle:yabasta.blogsport.de
Fußballderby 1. FC Nürnberg gegen SpVgg Greuther Fürth am 20. Dezember 2011 – Bilanz
Am 20. Dezember 2011, 19.00 Uhr, fand das 254. Derby zwischen dem 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth im e@syCredit Stadion in Nürnberg statt. In diesem Zusammenhang wurden nach derzeitigem Kenntnisstand sieben Personen verletzt.
Die Anreise der Fans aus Fürth erfolgte im Schwerpunkt individuell mit Pkw sowie mit zwei von der VAG bereitgestellten Sonder-U-Bahnen. Für die mit Pkw anreisenden Personen kam es aufgrund des Feierabendverkehrs zu den erwarteten Verkehrsbehinderungen. Mit der U-Bahn fuhren ca. 1.200 Personen, die von Polizeikräften begleitet wurden, vom Hauptbahnhof Fürth bis zur Haltestelle Messe. Bereits vor der Abfahrt wurde ein Böller und ein Rauchkörper gezündet. Verletzt wurde dabei niemand. Nach Verlassen der U-Bahn und während des Marsches zum Stadion zündeten die Fans mehrfach Böller. Dabei erlitten eine unbeteiligte Frau und zwei Polizeibeamte ein Knalltrauma. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen und nach erfolgter Sachbehandlung wieder entlassen. Aufgrund der konsequenten Fantrennung kam es zu keinen weiteren Konfrontationen.
Während des gesamten Spiels zündeten die Fans im Gästebereich mehrfach Rauchpulver. Vor Spielanpfiff und vor Beginn der zweiten Halbzeit wurde mit Leuchtkugeln auf das Spielfeld geschossen. Tatverdächtige Personen konnten noch nicht ermittelt werden. Die Videoauswertung diesbezüglich dauert noch an. Sechs Personen wurden aus dem Stadion verwiesen, da von ihnen Aggressionen auszugehen drohten.
Etwa zwei Minuten nach Spielende überstiegen ca. 100 bis 120 Personen aus der Nürnberger Fankurve die Umzäunung und sammelten sich auf der Tartanbahn. Die eingesetzten Ordner versuchten dies zu unterbinden. Dabei wurden vier Ordner – vermutlich durch Stöße und Tritte – leicht verletzt. Ein Nürnbergfan konnte später festgenommen werden. Er wurde wegen Körperverletzung angezeigt.
Nachdem es den Ordnern nur wenige Sekunden gelang, die Heimfans aufzuhalten, stürmten diese in Richtung Gästeblock. Die Fans beider Mannschaften bewarfen sich mit Schneebällen und Plastikstangen.
Die hinzugezogenen Einsatzkräfte der Polizei trennten die Fangruppen. Dabei wurde der Schlagstock und Pfefferspray eingesetzt. Ob bei dem Einsatz weitere Personen zu Schaden kamen, ist derzeit nicht bekannt.
Die weitere Abreise der Fans erfolgte weitgehend störungsfrei. Wegen Vermummung erhält ein Gastfan eine Ordnungswidrigkeitenanzeige.
Ca. 1 ½ Stunden nach Spielende wurden im Bereich des Fürther Hauptbahnhofes von der Polizei 20 Personen aus der Fanszene Nürnberg festgestellt. Da die Gefahr einer Konfrontation mit Fürther Anhängern bestand, wurde eine Identitätsfeststellung durchgeführt sowie ein Platzverweis für das Stadtgebiet Fürth ausgesprochen.
Quelle:presseportal.de
Clubfans stürmen das Spielfeld
Ganz ohne Rangeleien ist das Derby dann doch nicht über die Bühne gegangen. Nach dem Abpfiff stürmten weit über 100 enttäuschte Club-Fans das Spielfeld und rannten Richtung Gästeblock.
Nach Spielende kippte kurzzeitig die Stimmung. Club-Fans verließen pulkweise die Nordkurve und stürmten das Feld. Ordner versuchten, die FCN-Anhänger zurückzuhalten, was ihnen allerdings nicht gelang. Die Fans liefen auf der Gegengeraden ungehindert bis zum Gästeblock, den der Großteil der Fürther Fans zu diesem Zeitpunkt noch nicht verlassen hatte. Schneebälle flogen in Richtung der Kleeblätter.>>>Video
Stadionbesucher sprechen von „grusligen Szenen“ und kritisieren im selben Atemzug, dass die Polizei sehr lange gebraucht habe, bis sie auf dem Spielfeld war. Kritik, die Einsatzleiter Kurt Benisch zurückweist. Das habe vielleicht eine gute Minute gedauert, meint der Chef der Inspektion Nürnberg-Süd. Am Ende gingen die Beamten mit Pfefferspray gegen die Fans vor, die noch nicht in die Nordkurve zurückgesprintet waren. Ob Schlagstöcke zum Einsatz kamen, blieb bis Redaktionsschluss unklar. Dass die Fans überhaupt das Spielfeld stürmen konnten, trübt die bis dahin friedliche Derby-Bilanz. „Das ist ein Wermutstropfen“, gesteht Benisch.
Rund 300 Beamte der Landespolizei waren im Einsatz. Die Bundespolizei, die für die Bahnhöfe zuständig ist, trat mit 150 Kräften an. Das Konzept lautete: strikte Fantrennung. Und das ging auch in weiten Teilen auf. Rund 1000 der 4800 Fürther Fans, die für das innerhalb eines Tages ausverkaufte Pokalderby Karten ergattert hatten, folgten dem Aufruf von Polizei und Fanbetreuern, in Sonder-U-Bahnen nonstop bis zur Nürnberger Messe zu fahren. Die Atmosphäre in den U-Bahnen war aufgekratzt, von Aggressivität konnte bei der Anreise allerdings keine Rede sein — trotz laut skandierter Kampfparolen. „Das ist eine gewachsene Feindseligkeit, die man pflegt“, sagt Thomas Kunzfeld, Kleeblatt-Fan seit 1968. Eine Feindschaft, mit der beim Spiel der Spiele der bravste Fan kokettierte.
Während die Club-Fans mit S-Bahnen ankamen, wurden die Fürther Fans von der Polizei geschlossen von der Messe zur Südhälfte des Stadions begleitet. Die Nebenwirkungen: Aus der Kleeblatt-Menge heraus wurden Böller geworfen. Eine Frau und zwei Polizisten erlitten Knalltraumata. Auch im Fürther Fanblock wurden während des Spiels immer wieder Kracher und sogar Leuchtkugeln gezündet. Den Fans war es gelungen, die Pyrotechnik an den Ordnern vorbei ins Stadion zu schmuggeln.
Überdurchschnittlich viele Besucher des Pokalderbys waren auf den letzten Drücker ins Stadion gehetzt. Einige schafften es erst nach Spielbeginn. Rund um das Stadion hatte sich der Verkehr gestaut. Vermutlich, weil die Fan-Anfahrt mit dem Feierabendverkehr zusammenfiel.
Die Abreise verlief Polizeiangaben zufolge insgesamt ohne größere Probleme. „Am Bahnhof herrschte mehr Frust als Aggression“, sagt Reinhold Balk von der Bundespolizei. Die Beamten stellten sich allerdings auf eine längere Nacht ein und bereiteten sich auf mögliche Auseinandersetzungen abseits des Stadions vor.
In der Nacht vor dem Derby waren bereits einige junge Club-Fans festgenommen worden, weil sie in Stadionnähe Aufkleber mit Sprüchen wie „Derby is war“ („Derby ist Krieg“) auf Schilder geklebt hatten. Außerdem wurden in den vergangenen Tagen mehrere S-Bahnen beschmiert. Die Nürnberger Ultras und die Fan-Gruppierung „Banda di amici“ sollen laut Polizei ihre Schriftzüge hinterlassen haben.
Quelle:nordbayern.de
Wenn ein Fan zum „Gewalttäter“ wird
Fußballanhänger und Anwälte kritisieren Datei der Polizei scharf — Club als positives Gegenbeispiel
Ein Fußballfan landet vor einem Zug, er wird schwer verletzt. Dem Unglück voran geht eine Rangelei. Schnell wird aus dem jungen Mann ein „Hooligan“, was er nicht ist. Auch weil er, ohne eine Straftat begangen zu haben, in der Datei „Gewalttäter Sport“ gelistet ist. Die kritisieren Fans und Anwälte.
Gewalt und Fußball. Wie eng sind diese beiden Dinge verknüpft? Immer enger, sagt die Statistik. Die Zahl der Verletzten bei Fußballspielen ist bundesweit so hoch wie noch nie. Im vergangenen Jahr gab es bei Spielen der 1. und 2. Liga 846 Opfer (wir berichteten). Die Polizei registriert zudem immer mehr „Problem-Fans“. 9685 waren es in der vergangenen Spielzeit in beiden Ligen, 920 mehr als im Vorjahr. Die Quelle der Behörden ist die Datei „Gewalttäter Sport“. Die ist das Problem, sagt Ralf Peisl.
Peisl ist Club-Fan, Aufsichtsratsmitglied beim 1. FC Nürnberg — und er ist Anwalt. Immer häufiger vertritt er auch Fans gegenüber der Polizei und vor Gericht. Er sagt aus Überzeugung: „Das Bild von der Brutalität in Stadien ist zu großen Teilen konstruiert.“ Und immer wieder würden dadurch Unschuldige benachteiligt. Beispielsweise der 20 Jahre alte Günter E. (Name geändert) aus Nürnberg. Der junge Mann, der nur gelegentlich Spiele des Clubs besucht, will mit seinem Vater eine Reise nach England unternehmen. Bis er am Nürnberger Flughafen vom Sicherheitspersonal auf die Seite gebeten wird. Der Grund: ein Eintrag in der Datei „Gewalttäter Sport“.
Dabei habe er sich nie etwas zuschulden kommen lassen, sagt Günter E. Dass er in besagter Liste geführt wird, weiß er nicht mal. Eine halbe Stunde später hat der Flieger nach England ohne E. und seinen Vater abgehoben. Nun wehrt sich der Betroffene mit einer Klage auf Schadenersatz. Einer Gruppe gehört Günter E. nicht an, aber — so steht es in der Datei — er bewege sich in Szenekreisen.
Solche Beispiele wühlen Ralf Peisl auf. Wie auch der Fall des Club-Fans, der vor zwei Wochen von einem Zug überrollt wurde (siehe Artikel links). Schnell war, unter anderem auch in dieser Zeitung, laut Meldung der Presseagentur vom „Hooligan“ zu lesen. Tatsächlich steht der 19-Jährige in der Datei, die die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) in Nordrhein-Westfalen führt. Warum? Das erklärt Club-Fanbetreuer Jürgen Bergmann gegenüber dem Fußballmagazin 11Freunde: „Nach einer unübersichtlichen Situation bei einem Spiel gegen den FC Bayern erhielt er eine Anzeige und Stadionverbot.“ Und wurde registriert. „Allerdings stellte sich später heraus, dass er beim besagten Spiel ohne Schuld war.“
„Für jemanden, der sich nicht näher mit dem Thema befasst, ist er jetzt ein Gewalttäter“, sagt Peisl. Nicht erst seit den jüngsten Ereignissen kritisieren Anwälte und Fans die Datei „Gewalttäter Sport“ scharf, insbesondere die Bezeichnung. 16 Delikte liefert die ZIS, die für eine Aufnahme ins Register sorgen; die Einleitung eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens vorausgesetzt. Sie reichen von Straftaten unter Anwendung von Gewalt gegen Leib, Leben oder Sachen bis zu Missbrauch von Notrufeinrichtungen. Oder Beleidigung.
„Wo ist da die Gewalt?“, fragt der Club-Aufsichtsrat. Wer im Winter friere, müsse aufpassen, wie hoch er den Schal ins Gesicht zieht — in einer größeren Gruppe könne das als Zusammenrottung mit Vermummung gedeutet werden. „Es werden Menschen in Schubladen gesteckt.“ Als Beweis liefert er Datei-Auszüge, auf denen Mandanten als „Mitläufer“ oder „Rädelsführer“ markiert sind.
Grundsätzlich sind die Fans in die Kategorien A, B und C eingeteilt. A steht für „friedlicher“ Fan, B für den „gewaltbereiten, gewaltgeneigten“, C wiederum für den „gewaltsuchenden“ Fan. Ziel der Datei ist es, die Gefahrenlage vor Spielen einschätzen zu können. Treffen Vereine mit mehreren C-Fans, wie Eintracht Frankfurt oder Dynamo Dresden, aufeinander, wird das Einsatzpersonal aufgestockt. Glaubt man aber Rechtsanwalt Ralf Peisl, stehen kaum „Hooligans“ in der Datei. „Die wissen, wie sie von der Polizei nicht erfasst werden.“
Für fünf Jahre
Wer einen Eintrag in der Datei hat, dessen Name wird erst nach fünf Jahren automatisch gelöscht. „Unter Umständen aber auch sofort, wenn die für die Datei verfolgten Zwecke nicht mehr benötigt werden“, sagt Hans-Jörg Sommerfeld vom Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Nordrhein-Westfalen. Das wiederum zweifelt der Anwalt an. Häufig sei die Entfernung der Daten aus dem Katalog mühselig — und bei weitem nicht immer erfolgreich.
Zugriff haben die zuständigen polizeilichen Behörden, nicht aber die Vereine. Die sind zwar für Stadionverbote verantwortlich, handeln dabei auf einen Antrag der Polizei hin, erklärt Daniel Kirchner vom 1. FC Nürnberg. Beim Club aber inzwischen nicht mehr ohne vorherige Überprüfung. „Wer von uns ein Stadionverbot erhalten soll, wird vorher angeschrieben und darf Stellung beziehen“, sagt er. Es gehe auch um Akzeptanz und Verständnis. Oft nutzt der Club, gerade bei jungen Fans, das Mittel des Stadionverbots auf Bewährung. „Seit acht Jahren mache ich das jetzt — und bei fast keinem kam nach der Bewährung noch mal was.“ Er sieht deshalb keinen Trend zur Zunahme bei der Gewalt im Stadion.
Unterstützung erhält seine Aussage durch die bayernweiten Zahlen, die das Innenministerium mitteilt. Im Freistaat wurden im vergangenen Jahr 554 statt wie im Vorjahr 588 Strafanzeigen im Bereich Fußball gestellt. Davon in Nürnberg 91 (statt 125), in Fürth 31 statt 49. Die Zahl der Stadionverbote ist ebenfalls, sogar um 33 Prozent, gesunken: 241 statt 362. Gegen Club-Fans wurden nur noch 56 (statt vorher 131) Verbote verhängt.
Auch Peisl lobt das Verhältnis zwischen Club-Fans und der hiesigen Polizei. Und in Sachen Polizei-Datei hätte nach seinem Empfinden ein kleiner Schritt schon eine große Wirkung: ein neuer Name für die Liste — ohne das Wort „Gewalttäter“.
Quelle:nordbayern.de


